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So., 6. April, 2025
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Warum die Briten Kalkutta zur Hauptstadt machten

Kalkutta, heute als Kolkata bekannt, spielte eine zentrale Rolle in der Geschichte des britischen Kolonialismus in Indien und war von 1772 bis 1911 die Hauptstadt des Britischen Empire in Indien. Die Entscheidung, Kalkutta als Hauptstadt zu wählen, und die spätere Verlagerung der Hauptstadt nach Delhi, sind eng mit den politischen, wirtschaftlichen und strategischen Interessen des britischen Empires verbunden.

Die Briten kamen 1757 nach Indien und erlangten mit der Schlacht bei Plassey die Kontrolle über Bengalen, eine der wohlhabendsten und bevölkerungsreichsten Regionen des Subkontinents. Kalkutta, damals eine kleine Handelsstadt, war ein natürlicher Knotenpunkt für den britischen Handel und ein wichtiger Hafen. Die britische Ostindien-Kompanie hatte ihren Hauptsitz in Kalkutta und führte den Großteil ihres Handels über den Hafen der Stadt. Dies gab Kalkutta eine enorme strategische Bedeutung. Im Jahr 1772 wurde Kalkutta zur Hauptstadt der Britischen Ostindien-Kompanie und später, nach der Übernahme der britischen Krone in Indien 1858, zur Hauptstadt des gesamten Britischen Empire in Indien. Die Stadt war von großem wirtschaftlichen Wert, da sie als Hauptdrehscheibe für den Handel und die Verwaltung diente. Die Briten bauten umfassende Infrastrukturprojekte, wie Eisenbahnen und Straßen, um die Verbindung zwischen Kalkutta und anderen Teilen Indiens zu verbessern und ihre Kontrolle zu festigen. Darüber hinaus war Kalkutta ein Zentrum der westlichen Bildung und Kultur in Indien. Britische Institutionen, wie die Universität von Kalkutta (gegründet 1857), wurden ins Leben gerufen, um die Elite Indiens auszubilden und die britische Herrschaft zu festigen. Das koloniale Kalkutta war daher nicht nur ein wirtschaftliches Zentrum, sondern auch ein intellektuelles und administratives Zentrum des Empire.

Trotz seiner Bedeutung als Hauptstadt hatte Kalkutta jedoch auch erhebliche Nachteile. Eine der Hauptsorgen war die geografische Lage. Kalkutta lag an der Ostküste Indiens, weit entfernt von vielen wichtigen geografischen und politischen Zentren des Landes, insbesondere von den nordindischen Regionen, die strategisch entscheidend waren. Auch die Nähe zu den britischen Kolonien in Südostasien und der Ostküste von Afrika war nicht ideal. Die Entscheidung, Delhi 1911 zur neuen Hauptstadt zu machen, war eine Antwort auf diese geopolitischen und strategischen Herausforderungen. Delhi lag im Zentrum des Landes und war besser erreichbar für den Großteil der Bevölkerung. Außerdem hatte die Stadt historische Bedeutung, da sie als ehemalige Hauptstadt des Mogulreiches eine tiefe symbolische Verbindung zur indischen Geschichte hatte. Ein weiterer Faktor, der die Entscheidung beeinflusste, war die wachsende Unzufriedenheit und politische Unruhe in Bengalen. Insbesondere die sogenannte „Bengalische Teilung“ von 1905, die von den Briten vorgenommen wurde, um die Region zu spalten und die Hindu- und Muslimbevölkerung gegeneinander auszuspielen, führte zu erheblichen Spannungen und Gewalt. Die Verlagerung der Hauptstadt nach Delhi wurde als eine Möglichkeit gesehen, diese Unruhen zu beruhigen und die Kontrolle über das Land effektiver auszuüben.

Die politische und symbolische Bedeutung von Delhi als Hauptstadt war nicht zu unterschätzen. Delhi war von Natur aus eine der historischen Schaltstellen der indischen Geschichte und hatte den Briten eine Möglichkeit geboten, ihre eigene Macht innerhalb der alten historischen Kontinuität zu verankern.

Die Entscheidung, die Hauptstadt von Kalkutta nach Delhi zu verlagern, war ein Wendepunkt in der britischen Kolonialpolitik in Indien. Sie reflektierte nicht nur praktische Überlegungen im Hinblick auf geographische Lage und Sicherheit, sondern auch die politische Notwendigkeit, das Empire zu stabilisieren und eine tiefere Verbindung zur Geschichte und Kultur Indiens herzustellen. Kalkutta behielt jedoch seine wirtschaftliche Bedeutung als Handels- und Industriezentrum bei und blieb auch nach 1911 ein bedeutender Ort der politischen und kulturellen Bewegung.

Zusammengefasst: Die Wahl von Kalkutta als Hauptstadt des Britischen Empire in Indien war ein Produkt der britischen imperialen Strategie im 18. Jahrhundert. Kalkutta, als Zentrum von Handel und Verwaltung, spielte eine entscheidende Rolle im britischen Kolonialismus. Doch die geopolitischen und politischen Herausforderungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts führten zur Verlagerung der Hauptstadt nach Delhi im Jahr 1911. Delhi bot nicht nur eine strategische geographische Lage, sondern auch historische und symbolische Bedeutung. Diese Entscheidung hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die britische Herrschaft in Indien und die Entwicklung der indischen Unabhängigkeitsbewegung in den folgenden Jahrzehnten.

Tina Singh
Tina Singh
Tina schrieb ihren ersten Artikel für theinder.net bereits 2005 und interessiert sich für gesellschaftliche Themen, Musik und Reisen. Heute ist sie im Touristikbereich tätig.

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